Dieser Frage gingen eine Gruppe spanischer Forscher nach und publizierten ihre Ergebnisse 2006 in den Revista Espanola de Herpetologia.
Die untersuchte Population von Marmormolchen befand sich im Naturpark Sant Llorenç del Munt i l’Obac, im Norden Kataloniens. Er liegt in Küstennähe, was den Charakter des Klimas bestimmt, das mediterran ist. Bezogen auf das gesamte Verbreitungsgebiet von Marmormolchen (Triturus marmoratus) handelt es sich somit um eine Population, die sich an der südlichen Grenze ihres Verbreitungsgebietes befindet.
Konkret wurden vier Orte (bzw. Gewässer) untersucht, die alle im zentralen Teil des Massivs liegen (> 900 m ü.d.M.). Alle untersuchten Gewässer waren eher flach (< 2 m). Sie wiesen eine sehr homogene Zusammensetzung auf bezüglich der Flora (Fadenalgen und Characeae) sowie bezüglich der Amphibienfauna (Salamandra salamandra, Alytes obstetricans, Bufo bufo, Rana perezi und Triturus marmoratus).
Für die Beantwortung der Frage nach den natürlichen Beutetieren der Marmormolche wurden 60 Exemplare aus den Beobachtungsgewässern herausgefangen und ihnen wurde mit einer bestimmten Technik der Mageninhalt herausgespült. Die Probenentnahme führte also nicht zu einer Beschädigung der Tiere oder gar zu deren Tod, wie es etwa beim Sezieren der Fall wäre. Dieser Mageninhalt wurde mikroskopisch analysiert und zwar sowohl hinsichtlich der Art der gefressenen Beute als auch im Hinblick auf deren Biomasse (Volumen am Gesamt der Nahrung).
Die Auswertung wurde getrennt nach Männchen und Weibchen vorgenommen, um zu prüfen, ob es etwaige, systematische Unterschiede gibt.
Ergebnisse
Betrachtet man die Ergebnisse hinsichtlich der Frage, welche Futtertiere in den Mageninhalten vorgekommen sind, so standen Süßwasserkrebstiere (Cyprididae) mit 44% an erster Stelle, gefolgt von Mückenlarven (34%) sowie Froschlaich und Larven des Feuersalamanders (jeweils 25%).
Hingegen verändert sich das Bild drastisch, wenn man die Biomasse der Beutetiere in den Fokus nimmt. Dann nämlich zeigte sich, dass Larven des Feuersalamanders mit weitem Abstand die wichtigste Beute der Marmormolche waren (73%), nach Libellenlarven (12%) und Quappen der Erdkröte (9%).
Zwischen Männchen und Weibchen gab es bezüglich der Ernährung keine großen Unterschiede. Die Autoren meinten in den Daten aber eine Tendenz zu sehen, dass die Männchen sich tendenziell weniger wählerisch ernährten, also eine weniger euryphage Ernährungsweise zeigten als Weibchen. Ich hatte allerdings Mühe, diese Aussage an der betreffenden Tabelle in der Originalarbeit nachzuvollziehen.
Was folgt aus den Ergebnissen für die Terrarienhaltung?
Schwierig. Am ehesten, dass man zusätzlich leicht zu züchtende, nicht geschützte Froschlurche hält, deren Kaulquappen man dann an die Molche verfüttert. In dem Standardwerk von Pasmans, Bogaerts, Janssen & Spareboom wird dafür (ohne eine spezifische Erwähnung von T. marmoratus) der Marokkanische Scheibenzüngler (Discoglossus scovazzi) als besonders gut geeignete Art genannt. Von dem in heimatlichen Gefielden auffindbaren Laich und auch von Kaulquappen, so zahlreich sie sein mögen, muss man die Finger lassen: Alle europäischen Amphibien stehen unter Schutz, wozu auch der Laich und etwaige Larven gehören!
Quelle:
Villero Pi, Dani; Montori, Albert; Llorente, Gustavo (2006): Feeding habits of adult Triturus marmoratus (Urodela, Salamandridae) during the reproductive season in Sant Llorenç del Munt, Barcelona. In: Revista Espanola de Herpetologia 20, S. 57–70.
Nachtrag vom 13.6.2025:
In einem kurzen Beitrag veröffentlichten Baptisa, Rosa & Pernado (2015) eine gerade für die Terraristik bemerkenswerte Beobachtung insofern, als sie bei Freilanduntersuchungen eher zufällig gewahr wurden, dass ein Weibchen von T. marmoratus einen ausgewachsenen Molch einer kleineren Molchart (Lissotriton boscai) gefressen hatte. Das sollte ein weiterer Grund für ein Artbecken sein, also keine Vergesellschaftung unterschiedlicher Molcharten vorzunehmen.
In dem besagten Artikel wird zudem darauf hingewiesen, dass bislang nur für Weibchen von T. marmoratus solche Beobachtungen vorliegen. Die Autoren spekulieren über mögliche Gründe für diese Asymmetrie. Diese sehen sie in dem größeren Energiebedarf der Weibchen im Vergleich zu Männchen und darin, dass die Männchen anders als die Weibchen Reviere besetzen, was die Chance verringert, auf größere Beute zu treffen.
Quelle:
Baptisa, Rosa & Pernado (2015) Insights on the Triturus marmoratus predation upon adult newts. In: Bol. Asoc. Herpetol. Esp., Vol. 26(1): 2-4.
