Ich habe hier an anderer Stelle bereits etwas zu dem Thema der erstmaligen Rückkehr von Molchen in das Wasser geschrieben, das bei vielen Haltern von Molchen unter der Überschrift der „Gewöhnung“ der Molche an die aquatische Phase abgehandelt wird. Dann geht es um die Frage, ab wann und mit welchen „Tricks“ man die Tiere dazu bewegen kann, wieder ins Wasser zurückzukehren.
Ich habe in meinem oben erwähnten Beitrag die Gegenthese vertreten, nämlich dass die Molche (natürlich!) selbst „wissen“, wann der passende Zeitpunkt dafür ist und wir da also gar nichts tun müssen – außer einem rechtzeitigen Angebot, das Wasser aufzusuchen, wenn denn der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Wann aber ist der „richtige“ Zeitpunkt gekommen? Hinter dieser Debatte stehen, wie sollte es anders sein, in Wahrheit Motive der Halter und nicht der Molche, denn von Natur aus werden sie ohnehin irgendwann das Wasser wieder aufsuchen, nämlich zur Fortpflanzung. Damit ist der Zeitpunkt der erstmaligen Rückkehr eigentlich schon in etwa vorgezeichnet, nämlich abhängig von der Geschlechtsreifung. Die wiederum dürfte nicht nur zwischen den Arten unterschiedlich lange dauern, sondern es könnte auch Geschlechtsunterschiede ebenso wie Unterschiede zwischen Individuen derselben Art und desselben Geschlechts geben, zum Beispiel abhängig von der Entwicklungsgeschwindigkeit aufgrund des Nahrungsangebotes oder anderer Umgebungsbedingungen wie der Temperatur.
Tüpfelmolche ohne Landphase, also durchgängig aquatisch?
Für die chinesischen Tüpfelmolche (Hypselotriton cyanurus) habe ich sogar einmal die (praktisch belegte) Aussage gefunden, dass dieser Molch gar keine eigentliche Landphase durchlaufe oder „brauche“. Man fragt sich dann natürlich, warum die Molche nach Abschluss des Larvenstadiums überhaupt aus dem Wasser steigen. Wenn man ihnen einen Landteil anbietet, der großräumig genug ist, um sich dort aufzuhalten und zu verstecken, wo sie auch genügend spezifisches (Land-) Futter finden, dann leben sie dort so, wie wir es von den meisten Molchen nicht anders erwarten: sie sind frühestens dämmerungsaktiv und meiden das Wasser. Man bekommt sie also kaum zu sehen. Da sie aquatisch ein ganz anderes Verhaltensrepertoire zeigen, nämlich Tagaktivität, und weil wir sie als aquatische Molche auch leichter gefüttert kriegen, sind das die wahren Gründe, weshalb viele Halter ihren Molchen den Wasseraufenthalt aufdrängen. Das wird dann als „Gewöhnung“ ausgegeben.
Ich habe im vorletzten Jahr anders als sonst nicht alle meine NZen abgegeben, sondern eine Gruppe von ca. 20 NZ23-Molchen behalten. Die meisten lebten das gesamte erste Jahr in einem Waldbecken, also ganz ohne Wasser und nur in feuchter Umgebung. Ab diesem Frühjahr habe ich sie dann in ein Becken mit einem Wasserteil umgesetzt, falls sich einige Tiere bereits ins Wasser bewegen wollen würden. Das Wasser war leicht angewärmt, etwa auf 18°, während die Lufttemperatur bei dem (im Keller befindlichen) Becken nur 12°-15° hatte. Die Option zum Aufenthalt im Wasser nutzten seitdem 6 von den 16 Tieren, der Rest „mauert“ weiterhin. Da diese Molche zwischen August und Dezember 2023 an Land gegangen waren, sind sie heute, am 5. Mai 2025, irgendwas zwischen 17 und 21 Monate alt.
(Ungeplantes) „Experiment“: Eine Gruppe mit anderen Haltungsbedingungen
Eine kleinere Gruppe von NZ23-Molchen habe von Beginn an anders gehalten, nämlich in einem Becken mit breitem Landteil und ebenso breitem Wasserteil, also in einem Aquaterrarium. (Der eigentliche Grund für die separate Haltung war schlicht der, dass alle Jungmolche von einem anderen Weibchen abstammten und ich bei späterer Abgabe der Tiere wollte möglichst präzise deren Abstammung angeben können). Es steht im Wintergarten, wo das Temperaturspektrum wesentlich enger ist. Wegen der dort noch untergebrachten Pflanzen wird es darin nicht kälter als 15°, aber selbst im Sommer auch nicht wärmer als 24°. Die Bedingungen für eine etwas raschere Geschlechtsentwicklung und ein früheres Erreichen der Geschlechtsreife sollten in diesem Becken also eher besser als bei der Hauptgruppe gewesen sein. Von den sieben Molchen im Wintergarten hat bis heute nicht ein einziger ins Wasser gewechselt!
Das besagte Becken ist nachfolgend abgebildet. Es ist nach vorne hin offen, hat dort eine Ausbruchkante oberhalb der Wasserlinie. Im Hintergrund schaut man auf den (70×20 cm) breiten Landteil, der von nass, über feucht bis trocken alles zu bieten hat, was die Molche begehren könnten. (Trockenes oder halb-feuchtes Milieu wird übrigens eindeutig bevorzugt!)

Aquaterrarium zur Haltung von juvenilen Hypselotriton cyanurus
Die Moral von der Geschichte?
Es ist nicht verkehrt, wenn man als Halter von Molchen und anderen „Exoten“ Geduld übt. Entwicklungen brauchen ihre Zeit. So auch die zur Geschlechtsreife. Diese scheint beim Tüpfelmolch, ähnlich wie bei unseren einheimischen Arten, gut und gerne zwei Jahre zu beanspruchen (zumindest sofern die Tiere eine Winterruhe durchmachen, was bei meinen Amphibien der Fall ist). 1
Nachtrag aus dem August 2025
In dem im Wintergarten befindlichen Becken sind inzwischen drei Molche ins Wasser gegangen, nach meiner vorläufigen Einschätzung alles Männchen (und es könnte ja durchaus sein, dass die Geschlechtsreife bei den Männchen etwas früher erreicht wird).
Nachtrag aus dem September 2025
Inzwischen sind alle NZ23-Molche mindestens zwischenzeitlich im Wasser, sechs komplett und drei stundenweise, überwiegend nachts mit Rückzug in feuchte Verstecke tagsüber. Die früheste Rückkehr in das Wasser scheint insofern mit 22 Monaten in Betracht zu kommen – wenn es nach den Tieren geht.

- Bei Franzen und Franzen heißt es dazu passend: „Nach unseren Erfahrungen und diversen Angaben in der Literatur erreichen alle hier näher behandelten Feuerbauchmolch-Arten ihre Geschlechtsreife im Alter von etwa zwei bis drei Jahren. Verzögerungen können sich aber etwa durch dauerhaft unzureichende Ernährung ergeben“ (S. 48) ↩︎
