Vor ein paar Jahren habe ich an dieser Stelle bereits über das Ende einer Ära berichtet, in jenem Fall die Haltung von grünlichen Wassermolchen (Notophthalmus viridescens) betreffend. Heute kann ich über ein weiteres solches Ende berichten. Denn ich habe heute meine Zuchtgruppe (1;3) der Feuerbauchmolche (Hypselotriton cyanurus) in gute Hände übergeben. Das Ganze steht im Zusammenhang einer schrittweisen Verkleinerung und schließlich „Abwicklung“ eines schönen Hobbies.
Wie auch beim vorigen Mal will ich kurz Rückschau auf die Haltung dieser Molche halten. Erworben hatte ich meine Gruppe von einem Händler, damals bestehend aus einem Männchen und zwei Weibchen, im Sommer 2012 (und im Tausch 1:3 gegen H. orientalis). Der Händler konnte oder wollte keine konkreten Angaben über ihre Herkunft machen, weshalb ich sie als Wildfänge auffasste. Dafür sprach auch die kräftig rote Bauchfarbe der Tiere. Die Molche waren auch schon damals deutlich kräftiger gebaut als die genetisch nahestehende Form H. orientalis, die ich damals noch gepflegt hatte und die ja viel leichter zu beschaffen ist.
In den zurückliegenden 14 Jahren habe ich von den Adulten kein Tier verloren. Das eine der beiden adulten Weibchen gab ich an einen Halter in Bremen ab, der seine Gruppe auffrischen wollte. Auch sonst waren meine Verluste bei dieser Molchart außerordentlich gering: insgesamt haben bei mir 311 kleine Feuerbauchmolche das Wasser verlassen,1 also die Metamorphose durchlaufen, von denen ich lediglich 18 verloren habe. Es sind also über 90 % der Nachzuchten erfolgreich gelaufen! Das schreibe ich nicht, um mich selbst zu loben oder wichtig zu machen, sondern um erstens deutlich zu machen, dass bei sorgfältiger Pflege der Tiere (fast) nichts schiefgehen kann, und zweitens, dass es keine wirkliche Mühe bereiten sollte, den Bedarf an Molchen dieser Art in Deutschland (und Europa) komplett aus Nachzuchten zu decken. Immerhin sind die Strapazen, die Wildfänge auf dem Weg bis in die Zielländer zu erleiden haben, groß und regelmäßig mit bedeutenden Verlusten assoziiert. Der Erwerb von Nachzuchten sollte also unbedingt dem Erwerb von Tieren unbekannter Herkunft bzw. aus Naturentnahmen vorgezogen werden.2
Erwähnt hatte ich schon, dass die Tiere, als ich sie 2012 erwarb, bereits deutlich kräftiger waren als meine ausgewachsenen chinesischen Zwergmolche (H. orientalis). Und wenn ich dann sehe, dass meine aktuell ältesten Naschzuchtmolche aus 2023, die seit ein paar Monaten ins Wasser zurückgekehrt sind, von der Körpermasse her noch problemlos mit (adulten) H. orientalis verwechselt werden könnten, dann möchte ich im Rückblick zum mutmaßlichen Alter meiner cyanurus-Molche beim Kauf/Tausch sagen, dass sie wohl ca. 5 Jahre alt gewesen sein dürften. Mit anderen Worten haben sie in diesem Jahr fast die zwanzig Jahre erreicht!
Das ist so ganz ungewöhnlich wiederum nicht, wie auch Franzen und Franzen in ihrem sehr schönen Buch über Feuerbauchmolche zu deren Lebenserwartung schreiben: in menschlicher Obhut überschreiten Feuerbauchmolche locker das 20. Lebensjahr und sind noch im dritten Jahrzehnt, also mit Mitte 20 Jahren, am Fortpflanzungsgeschäft beteiligt. Dies macht wiederum noch einmal deutlich, dass man mit dem Erwerb der Tiere eine langjährig wirksame Verantwortung übernimmt, die man sich zu Beginn gut überlegen sollte. Diese Amphibien haben bei guter Pflege ein wirklich langes Leben vor sich!
P.s.




- Außer „fertige“ Molche abzugeben, war ich in den letzten Jahren dazu übergegangen, Laich (Eier) abzugeben und zu verschicken, um meinen Pflegeaufwand zu reduzieren. Das hatte zudem für die Empfänger den großen Vorteil, dass man den Transport mit DHL anstelle kostspieligem Tierversand bewerkstelligen konnte. Es hat guten Anklang gefunden, denn ich habe auf diese Weise insgesamt über 600 Eier verschickt und so zur Verbreitung dieser Art in Privathand hoffentlich substantiell beigetragen ↩︎
- Zwar habe ich, wie oben angedeutet, aktuell keine Zuchtgruppe mehr, aber noch Nachzuchtmolche. Die sind aber alle bereits vergeben, weshalb keine Nachfragen gestellt werden sollten, ob ich noch NZen abgeben könnte. Zum Herbst wird mein gesamter Bestand von H. cyanurus Geschichte sein. ↩︎
