Resilienz ist ja ein heutzutage fast im Übermaß benutzter Begriff, mit dem üblicherweise gemeint ist, dass ein (biologischer oder sozialer) Organismus die Fähigkeit aufweist, trotz schwerwiegender Belastungen oder Traumata langfristig ohne bleibende Schäden davonzukommen, dass also die schweren Negativeinflüsse irgendwie abgefedert oder kompensiert werden.
Von Molchen las ich schon in meiner Jugendzeit, als mein Interesse für die Terraristik begann, dass man ihnen, wenn sie etwa eine Krankheitsmanifestation an den Gliedmaßen hätten, getrost das betroffene Bein abtrennen (!) könne – weil es nämlich nachwachsen würde.
Diese Fähigkeit zur Regeneration und Reparatur von Gliedmaßen ist natürlich biologisch phänomenal und gibt der Wissenschaft noch immer Rätsel auf. Aber es wird – unter anderem an dem grünlichen Wassermolch (Notophthalmus viridescens), den ich auch etliche Jahre gepflegt und gezüchtet habe – auch in deutschen medizinischen Laboren intensiv daran geforscht, wie die Molche das wohl anstellen. Denn ohne Zweifel wäre es eine Revolution in der Medizin, wenn man diesen Mechanismus für den Menschen nachbauen könnte (und dann z.B. auf die Transplantatioin von Organen verzichten könnte, die man einfach neu wachsen lassen würde).
So viel zur Vorrede.
Kürzlich musste ich mit etwas Schrecken feststellen, dass unter den zahlreichen Larven meiner Marmormolche einige waren, denen die Füße oder gar ein ganzes Hinterbein fehlte! Da sich keine großen, potentiell gefährlichen Wasserinsekten (Libellenlarven, Käfer) in dem Behälter befanden und auch keine adulten Molche mehr, kam als Erklärung eigentlich nur in Frage, dass es sich um biologisch defekte Tiere handelt, die also aus irgendeinem Grund eine Fehlbildung aufwiesen, oder aber, dass es Folgen kannibalischer Tendenzen unter den Larven waren. Letzteres hielt ich für wahrscheinlicher, denn erstens ist Kannibalismus unter Molchlarven bei etlichen Molcharten gut bekannt, und zweitens hätte es mich gewundert, warum mir das Problem erst so relativ spät aufgefallen sein sollte, als nämlich ein Teil der Larven bereits sehr kräftig entwickelt (und entsprechend gefräßig) war.
Um die Probe aufs Exempel zu machen, setzte ich eine Larve mit fraglich abgefressenen, jedenfalls fehlenden Füßen an den Hinterbeinen in ein separates Becken, wo ich die weitere Entwicklung gut unter Kontrolle hattte. Und siehe da: keine zwei Wochen später sind bei der inzwischen weit entwickelten Larve, die nun schon die typische grünliche Rückenfärbung aufweist und somit nicht mehr weit vom Landgang entfernt ist (aber noch Kiemenäste sichtbar hat, so dass es wohl noch 2-3 Tage dauern wird), an den Hinterbeinen eindeutig wieder Finger bzw. Füße zu erkennen. Ganze Arbeit geleistet, würde ich mal sagen! Beneidenswert! Und ein eindeutiger Beleg, dass es sich nicht um eine Fehlbildung handelte, sondern um einen Fall von Kannibalismus unter den Larven.
Es kommt mir allerdings so vor, als wenn die Hinterbeine der Larve nicht ganz so lang wären wie normal. Aber das wird sich, wenn es denn stimmt, vermutlich auch noch – im wörtlichen Sinne! – auswachsen.


